Es war eine brillante Idee, die der damalige Vorsitzende .des Konzertvereins Ingolstadt, Josef Schloder, der Musikwissenschaftler Wilhelm Zentner und das Verleger-Ehepaar Wilhelm und Elin Reissmüller im Jahr 1968 ausknobelten: Mit einem Wettbewerb sollte der Konzertverein sozusagen seinen eigenen Nachwuchs generieren. Mit dem Musikförderungspreis wurden gleich mehrere Ziele des Vereins auf einen Schlag erfüllt: Neben der Nachwuchsförderung ging es auch darum, verstärkt zeitgenössische Musik in den Konzertsaal zu bringen sowie den Verein stärker an das bayerische Musikleben anzubinden .

Bereits der erste Preisträger wurde ein Star

Große Überzeugungskraft auch in Konkurrenz mit den unzähligen anderen Musikpreisen hat der Musikförderungspreis besonders durch seine gut nachvollziehbare Konstruktion: Der Konzertverein bestimmt jährlich ein Instrument oder eine Kammermusikformation für den Wettbewerb. Dann nominieren die drei großen bayerischen Musikhochschulen jeweils einen herausragenden Musiker bzw. eine Kammermusikgruppe, die beim Wettbewerb antreten. Der Wettbewerb selbst wird dann jeden Herbst als normales Abonnement-Konzert veranstaltet (als "Konzert mit jungen Künstlern") mit drei verschiedenen halbstündigen Programmteilen für jeden Wettbewerbsteilnehmer. Alle Musiker bekommen eine Gage, der Sieger zusätzlich ein Preisgeld von 2500 Euro. Darüber entscheidet eine Fachjury, die meist mit Hochschulprofessoren oder namhaften Solisten besetzt ist. Bei den Werken, die die Musiker spielen, gibt es nur eine Vorgabe: Es sollte ein Stück des 20. oder 21. Jahrhunderts dabei sein.
Der Ingolstädter Musikwettbewerb war von Anfang an ein großer Erfolg - vielleicht auch, weil man bereits in der ersten Runde 1968 gleich einen Instrumentalisten von hohem Rang auszeichnen konnte: den Oboisten Hansjörg Schellenberger.
Er machte in den folgenden Jahren eine steile Karriere, er wurde Solooboist beim WDR-Rundfunkorchester, und später holte ihn Karajan zu den Berliner Philharmonikern. Schellenberg trat bald mit den bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit als Solist auf, etwa mit Claudio Abbado und Riccardo Muti. Zuletzt machte sich Schellenberger zusätzlich einen Namen als Dirigent.
Natürlich haben nicht alle 47 Preisträger eine herausragende Karriere gemacht. Bei einigen ist eine Prognose auch noch nicht möglich, da sie erst vor wenigen Jahren ausgezeichnet wurden. Und dennoch:" Eine überraschend große Anzahl von in Ingolstadt geehrten Musikern hat sich zu international bekannten Musikern entwickelt. Dazu zählen etwa Florian Sonnleitner (1973 ausgezeichnet), Preisträger auch beim ARD-Wettbewerb und heute erster Konzertmeister bei den BR-Symphonikern, oder Gerhard Oppitz (1975 geehrt), der heute als versierter Brahms-Interpret zahlreiche hervorragende CDs eingespielt hat. Auf dem Weg zum Starruhm sind auch die kanadische Sopranistin Measha Brüggergosman, die in Ingolstadt 2001 mit ihrer Darstellung der Wesendonck-Lieder von Richard Wagner Furore machte. Inzwischen steht die Sängerin beim Label Deutsche Grammophon unter Vertrag und sang bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver die Hymne. Als eine der weltweit besten Geigerinnen gilt inzwischen auch die aus Donauwörth stammende Veronika Eberle, seit sie 2005 in Ingolstadt aus gezeichnet wurde. Sie trat inzwischen in der Camegie Hall in New York auf, ebenso wie in Salzburg und im Münchner Herkulessaal. Ihr Violinspiel wurde von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Simon Rattle begleitet. Und auch die vor fünf Jahren geehrte Cellistin Raphaela Gromes entwickelt sich zu einem vielversprechenden Talent. Sie hat inzwischen auch mit so namhaften Dirigenten wie Kent Nagano zusammengearbeitet. Demnächst bringt sie bei Sony ihre erste Solo-CD heraus. 2017 wird sie erneut beim Konzertverein spielen, diesmal in einem regulären Konzert.

Viele Preisträger kommen als Solisten zurück

Und damit ist sie keine Ausnahme. Denn es spricht für den Konzertverein, dass seine Förderung nicht mit der Preisübergabe endet. Vielmehr versucht man, die erfolgreichsten und besten Preisträger durch Konzerteinladungen enger an den Verein zu binden. So kommen zahlreiche Preisträger im Laufe der Jahre als Gäste erneut nach Ingolstadt. Am meisten trifft das vermutlich. auf den Geiger Florian Sonnleitner zu, der bereits etliche Konzertauftritte hatte. Übrigens finden. sich auch Künstler aus der Region unter den Siegern. 1983 gewann Franz Hauk als Pianist eines Klaviertrios den Preis, der Klaviervirtuose Hugo Seebach erspielte sich den Förderpreis 1986, und Roland Glassl wurde 1996 geehrt - damals noch als Geiger, während er heute als einer der besten deutschen Bratscher gilt. 2004 gewann zudem die Harfenistin Johanna Maier den Preis. Der Musikförderungspreis des Konzertvereins ist längst eine unumstrittene Institution in Ingolstadt. Dennoch kam es im Lauf der Jahre doch auch zu der einen oder anderen Irritation. So werden immer wieder die Entscheidungen der Fachjury heftig diskutiert - was die Auszeichnung natürlich nur noch interessanter macht. Seit einigen Jahren ist auch das Publikum stärker beim Wettbewerb beteiligt, seit nämlich ein Publikumspreis ins Leben gerufen wurde. In der Regel stimmen Fachjury und Publikum in ihrem Urteil überein. Und merkwürdig ist auch, dass es 1974 überhaupt keinen Preisträger gab - wegen interner Streitigkeiten zwischen den Organisatoren.