Ludwig Liebl
Vorsitzender des Konzertvereins zwischen 1917 und 1918



Eigentlich war Ludwig Liebl nur wenige Jahre lang erster Vorsitzender des Konzertvereins. Wichtig war er dennoch: weil er der Spiritus rector des Vereins war, maßgeblich auf seine Initiative hin wurde er gegründet. Aber Liebl, der 1874 in Waldkirchen als Sohn eines Landgerichtsassessors zur Welt kam und 1940 in Ingolstadt starb, war wahrscheinlich zu beschäftigt, um sich besonders stark um die Belange des Konzertvereins zu kümmern. Denn der Frauenarzt war äußerst umtriebig. Er eröffnete in Ingolstadt eine eigene Klinik und erhielt den Titel Sanitätsrat. Er war Mitglied der NSDAP und leitete am 14. März die Wiedergründung der Ingolstädter Ortsgruppe. 1927 gründete er das NS-Kampfblatt "Der Donaubote" und 1929 wurde er zum Vorsitzenden des von ihm iniitierten Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes gewählt. Aber Liebl war auch ein erstaunlich kunstsinniger Mensch. Neben dem Konzertverein war er Mitgründer des Ingolstädter Kunstvereins, und er wurde 1934 Ehrenbürger von Ingolstadt. Liebl liebte die Musik, als Student war er in München Schüler von Max Reger. Seine eigenen Kompositionen harren noch der Entdeckung. Liebls politischer Einfluss ist seit 1932 nicht mehr wahrnehmbar. Nach dem Krieg wurde er posthum bei der Entnazifizierung als Mitläufer eingestuft. Liebl hatte drei Kinder, eines davon, Elin, heiratete 1937 den Verlagsleiter des "Donauboten", den späteren DONAU KURIER - Herausgeber Wilhelm Reissmüller.



Karl Einsiedler
Vorsitzender des Konzertvereins zwischen 1918 und 1938



Karl Einsiedler ist sicherlich die unscheinbarste Figur unter den Vorsitzenden des Konzertvereins. Er stand bis zur vorübergehenden Auflösung des Konzertvereins 1938 stets im Schatten des Gründungs-Vorsitzenden der Konzertreihe, des charismatischen Sanitätsrats Ludwig Liebl. Liebl war denn auch letztlich der eigentliche Leiter des Vereins. Einsiedler führte eher unter dessen Führung die Geschäfte für einige Jahre. Von Einsiedler ist wenig bekannt: Sein Vater war Musiklehrer in München. Karl Einsiedler kam 1890 zur Welt und zog 1923 nach Ingolstadt. Dort arbeitete er als Lehrer für Physik und Mathematik an der Oberrealschule, dem späteren Scheiner-Gymnasium. 1935 wurde er aus gesundheitlichen Gründen vom Schuldienst beurlaubt. 1936 zog er nach Obermenzing und lehrte an der Ludwig-Realschule in München. Er starb im Alter von 96 Jahren. Einsiedler begleitete die wichtige Aufbauphase des Konzertvereins. Auffällig war in den frühen Jahren die Hinwendung zur zeitgenössischen Musik. Werke von Max Reger, Claude Debussy, Paul Hindemith, Ferruccio Busoni, Ottorino Respighi und Hans Pfitzner standen ganz selbstverständlich auf den Konzertprogrammen. Das ist fast so, als wenn man heute ständig Werke von Franz Hummel und Wolfgang Rihm aufführen würde. Ein anderes Markenzeichen war die Begeisterung für den Liedgesang. Von den 26 Konzerten bis zur Saison 1920/21 waren immerhin zwölf Lieder- oder Arienabende.



Wilhelm Dinges
Vorsitzender des Konzertvereins zwischen 1950 und 1954



Zwölf Jahre lang gab es den Ingolstädter Konzertverein nicht, zwischen 1938 und 1950. In den ersten Nachkriegsjahren gab es allenfalls einige Kammermusik-Konzerte sowie geistliche Konzerte in den verschiedenen, teilweise noch zerstörten Kirchen. Nach der Währungsreform 1949 wurden Vereinsgründungen endlich wieder genehmigt. Zu den ersten Neugründungen gehörte am 13. Oktober der Konzertverein, erster Vorsitzender war der Berufsschuldirektor und Amateurdirigent Wilhelm Dinges (1903-1981).
In den ersten Jahrzehnten nach dem Weltkrieg gehörte Dinges zu den wichtigsten Akteuren der Ingolstädter Kulturszene. Er belebte nicht nur sehr erfolgreich den Konzertverein wieder, sondern leitete auch vier Jahrzehnte lang den Kirchenchor von St. Moritz. 1964 gründete er das Ingolstädter Kammerorchester, das er ein Jahrzehnt lang leitete. 1971 wurden Dinges und sein Orchester mit dem Kunstpreis der Stadt geehrt. Außerdem war Dinges nach dem Krieg Leiter des Kulturreferats. Beeindruckend gestaltete er den Neustart des Konzertvereins. Bereits in den ersten Jahren gelang es ihm so wichtige Künstler wie das Koeckert-Quartett, die Münchner Philharmoniker, den Chor des Bayerischen Rundfunks, die Bamberger Symphoniker, den Cellisten Ulf Hoelscher und den berühmten Sänger Hans Hotter zu verpflichten. Nicht ganz freiwillig verließ er 1954 "aus gesundheitlichen Gründen" die Position des Vereinsvorsitzenden.



Josef Schloder
Vorsitzender des Konzertvereins von 1954 bis 1978



Von Wilhelm Dinges übernahm der Gymnasialprofessor des Reuchlin-Gymnasiums, Iosef Schloder (1902-1984), das Amt des Vereinsvorsitzenden. Schloder war allerdings bereits seit 1950 in dem Verein aktiv und hatte Einfluss auf die Programmgestaltung. Unter Schloder ging der Konzertverein seiner größten Blütezeit entgegen. Die Säle wurden alle allmählich zu klein, erst der 1966 fertiggestellte Festsaal im Stadttheater schaffte eine gewisse Erleichterung. Aber selbst dieser Saal war bald vollständig ausverkauft. Ähnlich wie die bisherigen Vereinsvorsitzenden machte sich auch SchIoder mit vielfältigen Initiativen im Ingolstädter Kulturleben verdient. Nach dem Studium der Schulmusik und Geige gab er eine viel beachtete sechsbändige Violinschule heraus, ein Standardwerk. Überhaupt war ihm die Jugendarbeit ein besonderes Anliegen. Er gründete 1968 den vom DK-Verleger Wilhelm Reissmüller gestifteten Musikförderungspreis des Konzertvereins. Außerdem engagierte er sich bei dem Wettbewerb "Jugend musiziert". 1981, als er bereits den Vereinsvorsitz an Reinald Atzerodt übergeben hatte, initiierte er noch den Verein zur Förderung junger musikalischer Talente - eine Stiftung, bei der unzählige begabte Nachwuchsmusiker der Region tatkräftig unterstützt wurden. Schloder war zweifellos eine herausragende Persönlichkeit des Ingolstädter Musiklebens. 1980 wurde er mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Ingolstadt geehrt.



Reinald Atzerodt
Vorsitzender des Konzertvereins von 1978 bis 2000



Als Reinald Atzerodt den Konzertverein 1978 als erster Vorsitzender übernahm, stand der Verein in voller Blüte. Die Konzerte waren ausverkauft, das Programm exquisit. Aber Atzerodt, der als Musiklehrer am Reuchlin-Gymnasium lehrte, verstand es, die alte Kulturinstitution noch weiterzuentwickeln. Schrittweise erweiterte er das Angebot in den folgenden Jahren um Sonderkonzerte. Gab es in der Saison 1979/80 noch acht Konzerte, davon ein Sonderkonzert, waren es bald insgesamt 16 oder 17 Veranstaltungen. Aber Atzerodt ging auch programmatisch neue Wege. Anfang der 80er-Jahre gastierte der Dirigent Nikolaus Harnoncourt mit dem Concentus Musicus Wien und läutete damit eine neue Ära ein. Barockmusik erklang nun meist beim Konzertverein auf Originalinstrumenten, die Konzerte der Alten Musik wurden von Künstlern übernommen, die mit wissenschaftlicher Akribie die Regeln der historischen Aufführungspraxis beachteten. Auch zeitgenössische Musik fand nun verstärkt Eingang beim Konzertverein. Ein frischer Wind wehte also beim Konzertverein, und das hatte dieser in erster Linie Reinald Atzerodt zu verdanken. Der gebürtige Ingolstädter (Jahrgang 1934) hatte bereits früh zu musizieren begonnen, er wurde auf dem Klavier und der Geige ausgebildet und war bald Mitglied des Jugendkammerorchesters. Zugleich trat er als Sänger solistisch auf. Atzerodt gilt auch als - universal interessierter Mensch, der über eine Bibliothek von rund 10000 Bänden verfügt.



Eva-Maria Atzerodt
Vorsitzender des Konzertvereins seit 2000



Eigentlich (fast) alle Vorsitzenden des Konzertvereins haben eine Eigenschaft gemeinsam: Sie sind zugleich auch wichtige Persönlichkeiten im öffentlichen Leben der Stadt Ingolstadt insgesamt. Auf niemanden trifft das mehr zu als auf Eva - Maria Atzerodt (Jahrgang 1968), die die Vereinsführung 2000 von ihrem Vater übernahm. An Umtriebigkeit kann man sie kaum übertreffen. Eva- Maria Atzerodt begann mit sechs Jahren ihre musikalische Ausbildung, spielte Klavier, Violine, Cello, Kontrabass und Kirchenorgel. Wie ihr Vater studierte sie Schulmusik und ist seit 1995 am Reuchlin-Gymnasium Musiklehrerin. Sie sang im Jugendkammerchor, dessen Leitung sie bereits 1990 übernahm. 1991 gründete sie die Ingolstädter Nachtigallen, 1996 wurde der Kammerchor Incanto corale ins Leben gerufen. Seit 2013 leitet sie auch noch den Motettenchor. Ihre Chorarbeit wurde mehrfach mit wichtigen Preisen ausgezeichnet. Und: Eva-Maria Atzerodt sitzt für die CSU im Ingolstädter Stadtrat. Bei so vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten ist Eva-Maria Atzerodt natürlich dankbar, dass ihr Vater ihr weiterhin zur Seite steht, Konzerte konzipiert und organisiert. Gleichzeitig ist die Konzertarbeit in den vergangenen Jahren beschwerlicher geworden. Denn inzwischen gibt es viel Konkurrenz für den Verein. Das Georgische Kammerorchester bietet einen Konzertzyklus an, es gibt sonntägliche Matineen in der Kirche Maria de Victoria, und die Audi-Sommerkonzerte bieten zahlreiche Konzerte.